Warnung vor Asbest in Altbauten betrifft auch PVC

Die IG BAU warnt vor Asbest-Gefahren bei der Sanierung von Altbauten, die auch das verarbeitete PVC betreffen können. Gewerbliche und private Bauherren, Handwerker und Heimwerker müssen informiert werden, sagen die Experten und fordern u.a. einen Schadstoff-Gebäudepass, der Gefahrenstufen und Belastungsgrade ausweist.

Massive Asbest-Warnung der IG BAU

In deutschen Altbauten stecken Millionen Tonnen Asbest. Bei Sanierungsarbeiten kann der krebserregende Stoff freigesetzt und zu einem ernsten Problem werden. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) warnt deshalb vor einer neuen Asbest-Gefahr: „Wir stehen am Anfang von zwei Sanierungsjahrzehnten. Die energetische Gebäudesanierung wird enorm an Fahrt aufnehmen. Gleichzeitig baut sich Deutschland um: Aus bestehenden Gebäuden wird neuer und zusätzlicher Wohnraum. Wohnhäuser werden modernisiert, senioren- und familiengerecht umgebaut oder aufgestockt. Mit der Sanierungswelle droht deshalb jetzt eine „Asbest-Welle“ auf dem Bau. „Sie ist eine Gefahr – für Bauarbeiter genauso wie für Heimwerker“, sagt Gerhard Citrich, Bundesvorstand der IG BAU und zuständig für Bauwirtschaft, Baustoffindustrie und Arbeitsschutz.

Die IG BAU warnt vor einer „unsichtbaren Gefahr“ durch Asbest: Alles beginne mit Baustaub und dem Einatmen von Asbestfasern. Dabei hätten Bauarbeiter und Heimwerker kaum eine Chance, diese Gefahr zu erkennen. Bis zu 30 Jahre dauere es, ehe es zur Diagnose komme: Asbestose – mit Lungen-, Bauchfell- oder Kehlkopfkrebs.

Der drohenden „Asbest-Welle“ will die IG BAU mit einem Maßnahmenpaket entgegentreten und hat dazu eine „Asbest-Charta“ mit zentralen Forderungen für mehr Schutz vor Asbest vorgelegt. Darin fordert die Gewerkschaft u.a. einen Schadstoff-Gebäudepass mit unterschiedlichen Gefahrenstufen für die jeweilige Asbestbelastung eines Gebäudes. „Jeder Bauarbeiter und jeder Heimwerker muss wissen, auf was er sich einlässt, wenn er Fliesen abschlägt, Wände einreißt oder Fassaden saniert“, so Gerhard Citrich.

Asbest auch in PVC-Böden

Die krebserregende Mineralfaser steckt in vielen Baustoffen – auch im PVC der Bodenbeläge. Was im Grunde schon lange bekannt ist. Die Stiftung Warentest weist seit Jahrzehnten darauf hin, dass alte Untergründe auf Altlasten wie giftige Kleber oder Asbestplatten untersucht werden sollten, bevor ein neuer Boden verlegt wird.

Dies betrifft insbesondere PVC-Böden, die vor dem Jahr 1993 gelegt wurden und die immer noch asbesthaltig sein können. Die gesundheitliche Gefährdung hängt dabei vor allem davon ab, wie fest der Asbest im Material gebunden ist und ob Beschädigungen vorliegen, die zu einer Freisetzung von Asbestfasern führen können.

Folgende Bodenbeläge enthalten dem Bundesgesundheitsamt zufolge schwach oder fest gebundenes Asbest:

Cushioned-Vinyls (auch Cushion-Vinyl-Belägen oder Cushion-PVC-Belägen) – Fußbodenbeläge mit PVC-Oberseite und dünner Asbestpappe als Unterschicht – bergen aufgrund des schwach gebundenen Asbests ein Gesundheitsrisiko.

Wenn der Boden intakt und voll verklebt war, wurde nicht selten ein neuer Boden darüber verlegt. Das Risiko einer Freisetzung großer Mengen von Asbest ist also sehr hoch, wenn geplant ist, den Boden und die darunter liegende Trägerpappe zu entfernen. Dies dürfen nur Spezialanbieter.

PVC-Bodenplatten/-Fliesen (auch Floor-Flex oder Flexplatten) enthalten Asbest. Ursprünglich fest gebunden, können sich die Fasern aus alten, porösen Platten lösen. Ein intakter Boden kann überbaut werden, beschädigte Böden müssen unter Beachtung entsprechender Schutzmaßnahmen durch Spezialanbieter entsorgt werden.

Asbesthaltige PVC Bodenbeläge (auch Vinyl-Bodenbeläge) wurden bis 1993 sowohl in öffentlichen Gebäuden als auch in Privatwohnungen in sämtlichen Räumen verbaut. Die großflächigen PVC-Beläge stellen eine Gesundheitsgefahr dar, wenn das Material beschädigt wird und dadurch Asbestfasern freigesetzt werden. Das Gesundheitsrisiko ist am größten, wenn der Boden entfernt wird und asbesthaltige Materialien wie Fliesen- oder Teppichkleber abgeschliffen werden. Zudem können auch moderne PVC-Böden gesundheitsschädlich sein.

Fünf Fragen an den Experten

Um die Erfordernisse für Privat-Bauherren und Heimwerker zu eruieren, die bei der Sanierung auch Bodenbeläge in Angriff nehmen, haben wir mit Gerhard Citrich, dem Arbeitsschutz-Experten und MitInitiator der „Asbest-Charta“ bei der IG BAU gesprochen.

Was erhoffen Sie sich von der Asbest-Charta und vom Schadstoff-Gebäudepass?

Die Asbest-Charta und einen Schadstoff-Gebäudepass einzuführen, bedeutet mehr Planungssicherheit für die Unternehmen und Handwerker. Es kann schlichtweg Menschenleben in Bezug auf Krankheiten retten, die durch Asbest hervorgerufen werden.

Warum ist das auch für Privat-Bauherren und Heimwerker wichtig?

Gerade Privat-Bauherren und Heimwerker müssen über die Risiken und die angemessene Vorgehensweise informiert werden, weil dies in den Baumärkten, in denen sie sich mit allem notwendigen Materialien ausstatten, in der Regel nicht geschieht.

Wie schätzen Sie das Gesundheitsrisiko bei asbesthaltigen PVC-Bodenbelägen ein, die bis 1993 gelegt wurden?

Diese Gefahr schätze ich sehr hoch ein. Vor allem, weil sehr oft nicht bekannt ist, dass in den in Altbauten verwendeten Klebern Asbest enthalten ist.

Wäre es aus Ihrer Sicht ratsam, heute noch neue, PVC-haltige Vinylböden zu verlegen?

Bekannte schädliche Stoffe zu verarbeiten, sollte immer vermieden werden.

Wie bewerten Sie in diesem Kontext die Verlegung von PVC-freien Alternativen?

Es wäre natürlich generell gut, wenn Schadstoffe vermieden und schadstofffreie Materialien verwendet werden.

Beitrag teilen

Beiträge, die Sie auch interessieren könnten: